Teil 5: Zwischenbilanz der Anfangsjahre,

kontinuierliche Weiterarbeit,

neuer Vorstand 2005


Aufschwung durch die Besetzung der hauptamtlichen Geschäftsführerstelle im Jahr 2001

Nach den Gründungen von Träger- und Förderverein 1999 war die FWZ-Entwicklung in den Folgejahren geprägt durch intensive Bemühungen, die finanzielle und personelle Basis der Arbeit sicherzustellen. Bis Frühjahr 2001 nur durch freiwillige und kostenlose ehrenamtliche Arbeit geleistet, erfolgte mit der Schaffung und Besetzung der Halbtagsstelle einer hauptamtlichen Geschäftsführerin (Dr. Sabine Möllers) ab Mai 2001 ein regelrechter Aufschwung: Öffnungszeiten und Beratungstätigkeiten wurden ausgeweitet, die Zahl der Engagement-Interessierten sowie der Beratenen und Vermittelten stieg von Jahr zu Jahr an, ebenso die Engagement-Angebote in vielen verschiedenen Bereichen sowie die Zahl der kooperierenden Einrichtungen.

2002200320042005
Zahl der Kooperationspartner697886 (18 neu)94 (12 neu)
Persönliche Beratungen80 (Jan.-Nov.)123 (Jan.-Nov.)138181
Vermittlungen3745103 (incl.16 Stud. und 13 Schülern)86 (+30 noch

im Gespräch)

Engagierte (aktiv + suchend)123110154 (124 aktiv)209
Geschlechterverteilung68 % Frauen

32 % Männer

68 % Frauen

32. % Männer

68 % Frauen

32 % Männer

62 % Frauen

38 % Männer

Altersdurchschnittgesamt 53,2 Jahre

Frauen: 52,8 Jahre

Männer:54,1 Jahre

50 Jahre48,5 Jahre

Frauen  38 J.

Männer 53 J.

50 Jahre

Frauen   42 Jahre

Männer 53 Jahre

Büroorganisation und Prozessabläufe wurden fortlaufend verbessert, die Engagement-Angebote und Projekte stiegen durch eine intensive Öffentlichkeitsarbeit (mit lokalen und regionalen Printmedien und Radio Rheinwelle) und durch die Präsenz bei öffentlichen Veranstaltungen (Infostände in der Stadt, im Rathaus, auf der Verbraucher-messe HAFA) an, das Netzwerk mit Kooperationspartnern wurde laufend größer. Ca. 90 % der Interessierten, die zur persönlichen Beratung kamen, konnten auch vermittelt werden. Schwerpunkte des Engagement-Interesses bei den Ehrenamtlichen waren die Arbeit mit Kindern, alten Menschen und Bürotätigkeiten. Neben Spaß und Freude „an einer sinnvollen Tätigkeit“ dominierte das Motiv, „der Gesellschaft etwas (zurück-)geben“ zu wollen.

Finanzierung und Sponsorensuche

Mit der Ausweitung der FWZ-Aktivitäten stiegen auch die Anforderungen, insbesondere die personelle und finanzielle Basis der Arbeit mittel- und längerfristig sicherzustellen und abzusichern. Dies ist in den Anfangsjahren bis 2005 – bei steigenden Schwierigkeiten und Risiken – in etlichen Jahren oft nur mit viel Glück und intensiver Einwerbung von Sponsorengeldern von Privatpersonen und von Unternehmen gelungen. Den andauernden Bemühungen und guten Kontakten des Vorstands und von Mitgliedern des Fördervereins war es zu verdanken, dass die Existenz des FWZ auch 2005 und 2006 gesichert werden konnte. Neben dem Wiesbadener Kurier, der schon 2004 mit seiner Aktion „Ihnen leuchtet ein Licht“ als Geldgeber gewonnen werden konnte (10.000 €), waren 2005/06 auch die Wiesbadener Volksbank, die R + V-Versicherung und der DG-Verlag mit zusammen 11.000 € hinzugekommen (2005: 5.000 €, 2006: 6.000 €). In Schreiben an die Rathaus-Fraktionen und z.T. auch durch Gespräche mit Fraktionsvorsitzenden und dem Kämmerer war wiederholt auf die notwendige Basisfinanzierung hingewiesen und begründet worden. Oberbürgermeister Diehl nahm sich Ende 2003 eine Stunde Zeit und ließ sich im FWZ-Büro über die Informations-, Beratungs- und Vermittlungstätigkeit von Ehrenamtlichen sowie über Projekte und Aktivitäten informieren. Die ebenfalls besprochenen Finanzierungsprobleme führten aber nicht zu Verbesserungen. In der Mitgliederversammlung 2003 konnte der Vorstand mitteilen, dass die Finanzierung der FWZ-Arbeit für 2004 (noch gerade so) gesichert sei. Aufgrund der noch völlig offenen Finanzlage für 2005 und 2006 sollten daher verstärkt Anstrengungen unternommen werden, z.B. die Durchführung verschiedener Projekte, die mit einem finanziellen Zuschuss verbunden sind, Erhöhung der Mitgliedsbeiträge, erneuter Zuschuss-Antrag an die NASPA-Stiftung, weitere Verhandlungen mit der LH Wiesbaden für eine hinreichende Basisfinanzierung, Suche nach anderen (Groß-)Sponsoren. Für 2006 wurde eine Erhöhung des städtischen Betriebskostenzuschusses von 6.500 € auf 9.000 € beantragt, damit das Budget des FWZ finanziert werden konnte. (Der städtische Zuschuss von 13.000 € (2001) war 2002 um die Hälfte gekürzt worden, konnte aber durch Troncmittel vom Kulturamt ausgeglichen werden). Wertvolle Unterstützung leisteten auch die Hessische Staatskanzlei (ideell und finanziell mit kleineren Beträgen), die Wiesbadener VHS mit zahlreichen Sach- und Organisationsleistungen und das hochmotivierte Team der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen in der FWZ-Geschäftsstelle. Die ursprüngliche Idee (vgl. Teil 1), mit Hilfe einer zu gründenden Wiesbadener Bürgerstiftung auch die Finanzierung des FWZ abzusichern, konnte nicht realisiert werden. 2003 wurde zwar eine Bürgerstiftung für Wiesbaden gegründet, aber aufgrund anderer Interessenlagen auch mit anderer Ausrichtung und mit politischer Unterstützung der Stadtspitze – ohne rechtlichen, organisatorischen, finanziellen und personellen Zusammenhang mit dem FWZ.

Fortführung der Informations- und Öffentlichkeitsarbeit

Die Informations- und Öffentlichkeitsarbeit war eine notwendige Voraussetzung für die Ausweitung der FWZ-Aktivitäten und wurde kontinuierlich fortgesetzt. Neben zahlreichen Presseberichten in WK, WT, FR und FAZ wurde die 2004 erfolgreich begonnene Anzeigenkampagne fortgeführt. Leider gestaltete sich die Sponsoren-suche 2005 ausgesprochen schwierig, so dass für die Zukunft über neue Wege der Sponsorengewinnung nachgedacht werden sollte. Wie schon in den Vorjahren konnte das FWZ durch ein Interview in Radio Rheinwelle seine Angebote vorstellen und neue Freiwillige gewinnen. Der Hessische Rundfunk sendete im „Hessen-Journal“ zum Thema „Helden des Alltags“ einen Bericht über eine 15-jährige Schülerin der Gutenberg-Schule, die im Rahmen des Projekts „Soziales Lernen“ seit über einem Schuljahr ein Mal wöchentlich im Alzheimer Tageszentrum von EVIM mithalf. Und Mitte 2005 erschien dank finanzieller Unterstützung durch die NASPA-Stiftung eine neue und informative FWZ-Broschüre mit verändertem Layout und zahlreichen neuen Engagement-Angeboten.

Die Präsenz bei öffentlichen Veranstaltungen und das Angebot von Fortbildungen wurden fortgeführt. Auch 2005 war das FWZ wieder mit einem Infostand bei der Präsentation der „Akademie für Ältere“ im Rathaus vertreten (vorrangige Zielgruppe waren immer noch Personen im Seniorenalter oder kurz davor!). Die Vorsitzende M. Goldmann nahm im Pariser Hoftheater an einer Talkrunde des Wiesbadener Tagblatts teil und wies energisch auf die Bedeutung des Ehrenamts für die Stadtgesellschaft hin. Ebenso informierte das FWZ-Team auch 2005 wieder eine Woche lang am Stand der Hessischen Landesregierung auf der Verbrauchermesse HAFA in den Rhein-Main-Hallen über bürgerschaftliches Engagement in Wiesbaden und Hessen. Die „Hessentassen“ erbrachten dabei Spendeneinnahmen von 567 € für das FWZ. Großen Zuspruch fanden wieder die jährlich angebotenen 2 Klärungsseminare („Wie und wo kann und will ich mich engagieren?“) mit 43 Teilnehmenden, von denen danach viele zur persönlichen Beratung kamen, um ein passendes Ehrenamt zu finden.

Fortführung der Projektarbeit und Qualifizierungsmaßnahmen

Kontinuierliche Weiterarbeit kennzeichneten auch den Bereich der Projektarbeit: das Kooperationsprojekt „Großelternservice“ (seit 2004 in gemeinsamer Trägerschaft mit dem Nachbarschaftshaus Biebrich, LAB und der Evangel. Familienbildungsstätte) hatte großen Zulauf gefunden. Bis Ende 2005 hatten sich 18 engagementbereite „Ersatz-Großeltern“ und 70 junge Familien mit Bedarfen gemeldet. 8 Vermittlungen kamen zunächst zustande, die z.T. auch länger anhielten. Das 2004 begonnene Schulprojekt „Soziales Lernen“ mit dem Gutenberg-Gymnasium lief (nach kleineren Startschwierigkeiten) erfolgreich. Die Schüler*innen hatten sich in den sozialen Einrichtungen gut eingelebt und waren mit Freude und Engagement dabei. Das Kooperationsprojekt „Mittendrin“ mit der Fachhochschule wurde ebenfalls fortgeführt, doch meldeten sich im Wintersemester 2005/06 nur 5 Studierende. Daher sollte überlegt werden, wie das Projekt im Folgejahr anders konzipiert werden könnte. Wie in den Vorjahren war das FWZ auch 2005 wieder Anlaufstelle für die Initiierung und Koordinierung von Qualifizierungsmaßnahmen für Ehrenamtliche in Wiesbaden. Beim Hessischen Sozialministerium konnten diesmal 13 Maßnahmen (z.T. nur anteilig) beantragt werden, da lediglich 8.500 € als Fördersumme bereitstanden. Bei den durchgeführten Qualifizierungsmaßnahmen konnten sich 2005 trotzdem 231 Ehrenamtliche weiterbilden.

Fortführung der Anerkennungskultur und Weiterbildung des FWZ-Teams

Die Anerkennungskultur wurde weiter gepflegt. Der Förderverein ermöglichte auch 2005 dem FWZ-Team, sich auf Tagungen und Seminaren weiterzubilden und sich über die neuesten Entwicklungen des bürgerschaftlichen Engagements zu informieren: bei 2 Lagfa-Tagungen in Frankfurt, einem Seminar zum Thema „Freiwilligen-Management“, einem Seminar zum Thema „Ehrenamts-Karte“ und bei 2 Tagungen zum Thema „Freiwilligentage“. Der jährliche Freiwilligen-Stammtisch war schon zu einer festen Institution geworden. Am 4. Stammtisch nahmen 45 Personen teil. Die intensiven Gespräche bei einem köstlichen Imbiss (wie immer großzügig gesponsert) und in lockerer und lebhafter Atmosphäre waren wieder sehr anregend und aufschlussreich, auch bzgl. der Stärken und Schwächen des FWZ. Die Hessische Landesregierung gewährte dem FWZ-Team ein ganz besonderes Dankeschön für seine Arbeit. Eigens für die Mitarbeiterinnen des FWZ wurde eine Führung durch die Hessische Staatskanzlei organisiert, die direkte Einblicke in das Machtzentrum der Hessischen Landesregierung bot.

Personelle Veränderungen und löbliches Engagement

Personelle Veränderungen gab es 2005 im Vorstand und im FWZ-Team. Bei der Mitgliederversammlung im Oktober wurde Karl-Fried-Schuwirth (ehemals Leiter des Nachbarschaftshauses in Biebrich) zum neuen Vorsitzenden gewählt. Neue Schatzmeisterin wurde Ute Keutner (Finanz- und Personalmitarbeiterin beim Caritas-Verband) und neuer Schriftführer wurde Karl-Heinz Simon (Diplom-Soziologe im Amt für Wahlen, Statistik und Stadtforschung der LH Wiesbaden). Neu im FWZ-Team war Bettina Zerth (Rechtsanwältin), die sich schnell und gut eingearbeitet hat. Beendet hat ihre Tätigkeit dagegen Elisabeth Otter, die nach 8-jähriger ehrenamtlicher Mitarbeit (sie war schon beim „Büro aktiv“ dabei) nach einem runden Geburtstag in den „Ruhestand“ ging.

Trotz der anstrengenden und zeitraubenden Bemühungen und des jährlichen Kampfes um eine hinreichende Basisfinanzierung gab es viele neue Ideen für die Ausweitung der Freiwilligenarbeit in Wiesbaden. Viele Personen und Organisationen zeigten nicht nur Interesse und Bereitschaft zum Engagement, sondern wollten sich aktiv einbringen, sich an Projekten und Kooperationen beteiligen, in Netzwerken mitwirken und die Stadtgesellschaft Wiesbaden mitgestalten – und das nicht als Lückenbüßer für staatliche und städtische Sparmaßnahmen und unzureichende Daseinsvorsorge in vielen Bereichen bei immer spürbarer bröckelndem sozialen Zusammenhalt.

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